Jüdisches Museum

Die Stadt Berlin beherbergt einige der bekanntesten und interessantesten Museen der Welt. Um nur einige zu nennen: das Museum für Naturkunde mit dem weltberühmten Skelett des gigantischen Brachiosaurus und dem versteinerten Urvogel Archaeopteryx, das Pergamonmuseum mit Pergamonaltar aus Ephesus und dem Ischtar-Tor von Babylon und die vielen Galerien, vor allem die beiden Nationalgalerien.

Das Jüdische Museum Berlin in der Lindenstraße ist noch sehr jung. Eröffnet wurde es am 1. September 2001 im sog. Libeskind-Bau mit der „Ausstellung zu Zwei Jahrtausenden Deutsch- Jüdischer Geschichte“. Es ist eines der meistbesuchtesten Museen Deutschlands. In den letzten zwei Jahren konnte sich das Museum jeweils über 660.000 Besucher freuen.

Und das verdientermaßen!

Den Verantwortlichen des Museums ist es gelungen, eine Ausstellung zu schaffen, die gleichzeitig informiert, unterhält und bildet, aber auch ermahnt und nachdenklich stimmt. Mit sehr viel Liebe zum Detail und modernen Medien und Spielereien bringt die Ausstellung den Besuchern die Geschichte des Judentums in Deutschland vom ersten Jahrtausend bis zur Gegenwart nahe.

Die selbständige Führung beginnt am Rhein mit den ersten Nachweisen jüdischer Zivilisation in Köln um 321 und dann in den Städten Mainz, Speyer und Worms, mit den ersten konstanten jüdischen Gemeinden Deutschlands (sog. Schum), wo Christen und Juden friedliche nebeneinander wohnten, bis antisemitische Kreuzfahrer sie ermordeten. Eine eindrucksvolle Computersimulation führt den Besucher hier durch das jüdische Worms vor 1000 Jahren. Die Ausstellung verfolgt die Spuren der deutschen Juden nach den Pogromen, wie sich Juden als Land- und Hofjuden der Aristokratie andienten, wie sie als Händler durch ganz Deutschland reisten und ein Handelsnetzwerk aufbauten. Man trifft verschiedene jüdische Persönlichkeiten, wie die Händlerin, Unternehmerin und Mutter Glikl (1646-1724), die als erste jüdische Frau ihre Memoiren hinterließ; oder Moses Mendelssohn (1729-1786), der weltberühmte Philosoph, der sich für die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden einsetzte.

Man lernt über den jüdischen Alltag in der für Juden über alles stehenden Familie, über das koschere Schlachten, die Bat Mizwa und die Beschneidung. Man erlebt einen Wandel in den jüdischen Riten, eine Assimilation an die Bräuche ihrer Umwelt, wie z.B. die Vermischung des jüdischen Fests Channukkah mit dem christlichen Weihnachten.

In den großen Metropolen entstehen prächtige Kauf- und Verlagshäuser, das Engagement der Juden im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben wird unersetzlich. Das Museum zeigt die frühe Zionistenbewegung Theodor Herzls.

Die Epoche des Ersten Weltkrieges bringt jüdische Mitbürger in beachtliche Positionen, z.B. Walther Rathenau (Außenminister).

Schon in den Exponaten über die Weimarer Republik lassen sich antisemitische Orientierungen erkennen. Die Ausstellung führt schnellen Schrittes auf das Dritte Reich und den Holocaust zu. In Briefen jüdischer Deutscher und Deportationsbefehlen gegen Juden lassen sich der Wahnsinn und das Ausmaß der nationalsozialistischen Judenverfolgung erahnen. Die Exponate erzählen die erschreckende Geschichte von Diskriminierung, Flucht und schließlich organisiertem

Massenmord. Am Ende dieses Ausstellungsabschnittes stehen Bilder der Befreiung durch Alliierte Truppen.

Doch damit endet die jüdische Geschichte in Deutschland nicht. Auch die Ausstellung geht weiter mit der Gegenwart. Heute leben 100.000 Mitbürger jüdischer Religion in Deutschland. Die zögerliche Annäherung der heutigen Zeit wird am Ende der Ausstellung thematisiert.

 

Die Ausstellung ist folgendermaßen gegliedert:

I. Die Anfänge

II. Die mittelalterliche Welt von Aschkenas

III. Glikl bas Juda Leib

IV. Land- und Hofjuden

V. Moses Mendelssohn und die Aufklärung

VI. Tradition und Wandel

VII. Im Schoße der Familie

VIII. Gleiche Pflichten - gleiche Rechte?

IX. Die Entstehung des modernen Judentums

X. Moderne und Urbanität

XI. Ost und West

XII. Deutsche Juden - jüdische Deutsche

XIII. Verfolgung - Widerstand - Vernichtung

XIV. Die Gegenwart

Das Museum überzeugt durch seine moderne Aufarbeitung. Man wird nicht, wie in anderen Museen, des Lesens müde. Durch verschiedenste Medien, Simulationen, Musik, Computerspiele, Filme, Interviews mit Zeitzeugen und andere mediale Effekte bleibt die umfangreiche Ausstellung sehr abwechslungsreich. Das jüdische Museum in Berlin ist nicht wie andere jüdische Museen ein reines Holocaust-Mahnmal. Man hat nicht das Gefühl, dass Schuld zugewiesen wird, sondern dass objektiv über alle zeitgeschichtlichen Epochen informiert wird.

Das Museum bietet auch verschiedene Workshops und Sonderführungen an. Zusätzlich besitzt das Museum eine umfangreiche Bibliothek. Die Benutzung steht nach vorheriger Anmeldung allen offen. Im Rafael-Roth-Learning-Center kann man an Computern biographische Daten von jüdischen Persönlichkeiten recherchieren.

 

Auch die Architektur überzeugt:

So war das Gebäude schon vor der Eröffnung der Ausstellung allein aufgrund der Architektur ein Anziehungspunkt.

Drei unterirdisch verlaufende Straßen bilden das Zentrum des Museums.

Eine Straße steht für „Den Weg in das Exil und die Emigration“ und endet im Garten des Exils. Dort hat der Architekt 49 Weiden in Betonhülsen pflanzen lassen. 48 dieser Hülsen sind mit Berliner Erde gefüllt, die Mittlere mit Erde aus Jerusalem. Die andere Straße steht für die Achse des Holocaust und endet im beängstigenden Holocaust-Turm als eine Sackgasse. Die Straße der Kontinuität führt in die Ausstellung. Diese befindet sich in einem mit Zink verkleideten, äußerst ungewöhnlichen Bau. Er ist als Annex an das ehememalige Reichskammergericht angebaut, an dem E.T.A. Hoffmann wirkte, und stellt einen aufgebogenen Davidstern dar. Er ist durch fünf sog. „Voids“ durchbrochen, die vertikal durch den Bau verlaufen und die Lücken symbolisieren, die durch den Holocaust in die jüdische Gemeinschaft gerissen wurden.

Das Jüdische Museum Berlin ist überaus empfehlenswert. Man sollte sich für einen Besuch viel Zeit nehmen.

 

 

Eintrittspreise:

Ermäßigter Eintritt: 2,50 € (Wehrdienstleistende, Zivildienstleistende, Studenten & Schüler mit Ausweis, Rentner, Schwerbehinderte, Arbeitslos

Erwachsene: 5,00 €

Familienkarte: 10,00 €

Für Kinder bis zum 6. Lebensjahr ist der Eintritt frei.

 

Anfahrt:

Das Museum liegt im Stadtteil Kreuzberg und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Per U-Bahn: U1, U15, U6 bis Hallesches Tor

Per Bus: 143, 240, 241, 248, 341

 

 

Adresse, Öffnungszeiten, Kontakt:

Lindenstr. 9-14, 10969 Berlin

Di – So 10.00 – 20.00h
Mo 10.00 – 22.00h

Tel: 030 259 93 300
www.jmberlin.de