Wannsee

„…und dann nischt wie raus nach Wannsee“

„Pack’ die Badehose ein…“ durch diesen Schlager von Cornelia Froboess ist der Wannsee sicherlich den meisten ein Begriff. Für den Berliner ist der Wannsee nach wie vor das beliebteste Erholungsgebiet. Eröffnet wurde das Areal erstmals 1907 als sog. Familienbad. Das heutige Strandbad Wannsee basiert auf den Planungen des Architekten Martin Wagner, der 1915 ein erstes Bebauungskonzept für die bis dahin unerschlossene Badestelle am Ufer des Großen Wannsees erarbeitete und 1927 schließlich ein modernes „Weltstadtbad” konzipierte. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex mit einer Länge von 540 Metern wurde 1929-1930 nach Entwürfen des Architekten Richard Ermisch erbaut.

Der Wannsee gilt mit seinem 1,3 km langen und 80 m breiten Sandstrand als größtes Freibad dieser Art in Europa, das aber durch Segel-, Ruder- und andere Wassersportclubs, auch in sportlicher Hinsicht attraktiv ist. Für die weniger Sportbegeisterten gibt es mehrere Ausflugslokale am Ufer oder in Ufernähe, zu denen man gemütlich flanieren kann.

Der rund 260 ha große Wannsee ist ein Relikt der Eiszeit und nichts anderes als eine große Ausbuchtung der Havel. An den eigentlichen Großen Wannsee schließen sich mehrere kleine, zusammenhängende Seen an: Kleiner Wannsee, Pohlesee, Stölpchensee, Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal und Griebnitzsee, an dem der Teltowkanal beginnt.

Der Schauplatz, der am 20. Juni 1942 stattfindenen, Wannseekonferenz befindet sich am Südwestufer des Wannsees. Die Konferenz fand im damaligen Gästehaus der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes statt. Ursprünglich wurde die Villa 1914/15 für den Unternehmer Ernst Malier von dem Architekten Paul Otto August Baumgarten erbaut worden.

In der Wannseekonferenz besiegelten führende Nationalsozialisten unter Leitung von Reinhard Heydrich die schon seit Mitte 1941 angelaufene Vernichtung der europäischen Juden.

Das Haus der Wannseekonferenz, nach Kriegsende zunächst von sowjetischen Marinesoldaten, dann von amerikanischen Offizieren genutzt, wurde 1947 Sitz des neu gegründeten August-Bebel-Instituts. Von 1952-1988 diente es dem Bezirk Neukölln als Landschulheim. Ab Mitte der 1960er-Jahre setze sich der Historiker Joseph Wulf dafür ein, in der Villa ein internationales Dokumentations- und Forschungszentrum einzurichten. Wulf fand prominente Fürsprecher, wie den Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Nahum Goldmann, die Philosophen Max Horkheimer und Karl Jaspers sowie den Theologen Helmut Gollwitzer. Der Berliner Senat war jedoch nicht bereit, das Haus zur Verfügung zu stellen, so dass Wulfs jahrelange Bemühungen erfolglos blieben.

Erst Anfang der 1980er-Jahre, anlässlich des 40. Jahrestages der Wannsee-Konferenz, gründeten sich erneut Initiativen zur Errichtung einer Gedenkstätte. Zehn Jahre später endlich, am 20. Januar 1992, fand die Eröffnung statt. Die Dauerausstellung dokumentiert den Holocaust und stellt mit zahlreichen Fotos den gesamten Prozess der Diskriminierung, Ausgrenzung, Entrechtung, Verfolgung, Verschleppung und Ermordung der europäischen Juden dar. Im ehemaligen Tagungsraum finden sich Informationen zur Wannsee-Konferenz und zu den Teilnehmern. Zur Gedenkstätte gehört außerdem eine umfangreiche Bibliothek und Mediothek. Diese ist nach Joseph Wulf benannt, um sein damaliges Engagement angemessen zu würdigen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Grabstätte von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel, die an einer Uferböschung des Kleinen Wannsees liegt. Beide nahmen sich am 21. November 1811 das Leben: Kleist erschoss erst seine Begleiterin, dann sich selbst. Im Kirchenregister wurde vermerkt, dass „beide, … auf der Stelle, wo der Mord und Selbstmord geschah, in zwei Särge und in ein Grab gelegt worden (sind); o tempora! o mores!“

Bei einem Besuch in Berlin darf also insbesondere im Sommer eine Fahrt an den Wannsee nicht fehlen. Ob dies mit Badeshose im Gepäck, zum Flanieren oder zum Wandeln auf geschichtlichen Spuren geschieht, überlasse ich Ihnen!