Arbeitsmarkt weiter im Aufwind: Arbeitslosigkeit sinkt und Stellenangebot steigt

Der hiesige Arbeitsmarkt bewegte sich auch im Mai im Aufwind. Die Zahl der Abmeldungen von Arbeitslosen übertraf die Zahl der Arbeitslosmeldungen erneut recht deutlich. Die Zahl der freien Stellen für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat noch einmal kräftig zugelegt.

Die jüngsten Konjunkturumfragen der hiesigen Kammern mit ihren optimistischen Ergebnissen werden durch die aktuellen Arbeitsmarktdaten bestätigt. Es wird jedoch zunehmend schwieriger jedes Stellenangebot - den Anforderungen der jeweiligen Betriebe entsprechend - zu besetzen. Dabei suchen die Betriebe nicht nur Fachkräfte sondern auch Helfer für Produktion und Lager. Hierzu schalten diese Betriebe jedoch in hohem Maße Zeitarbeitsunternehmen ein. Mittlerweile erhalten zunehmend auch ältere Arbeitslose Integrationschancen in den ersten Arbeitsmarkt. „Es ist erfreulich, dass die langjährige Berufserfahrung der Älteren wieder eine größere Rolle spielt, trotzdem wird ihr Potential noch zu wenig genutzt“, mahnt Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. „So sank zwar die Gesamtarbeitslosigkeit gegenüber 2010 um 11,0 Prozent, aber bei der Generation „50plus“ verharrt
sie noch auf Vorjahresniveau.“

Trotz der guten konjunkturellen Rahmenbedingungen mussten sich im Mai 2011 insgesamt 1.377 Männer und Frauen allein aufgrund von Arbeitsplatzverlusten arbeitslos melden. Gleichzeitig konnten aber 1.551 Arbeitslose wieder eine neue Beschäftigung aufnehmen. Zum Monatsabschluss waren zwischen Wupper und Sieg 23.758 Männer und Frauen arbeitslos, 844 oder 3,4 Prozent weniger als im April 2011. Im Vergleich zum Mai 2010 gab es 2.946 oder 11,0 Prozent weniger Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr 6,5 Prozent nach 6,8 Prozent im Vormonat und 7,3 Prozent im Vorjahr. Die günstige Entwicklung gegenüber dem Vorjahr wird dabei noch unterzeichnet, weil der statistische Entlastungseffekt durch den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen geringer ist als vor einem Jahr. Die Zahl der Personen, die in Qualifizierungen, Aktivierungsseminaren oder in Arbeitsgelegenheiten beschäftigt waren und deshalb nicht als Arbeitslose gezählt werden, lag im Mai 2011 mit 8.455 um 2.310 oder 21,5 Prozent niedriger als vor einem Jahr. „Die gute Konjunktur verstärkt die saisonalen Einflüsse auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Grundsätzlich sind keine Risiken für eine Fortsetzung dieses Aufwindes zu erwarten. Es bleibt aber abzuwarten, inwieweit die derzeitigen Finanzprobleme in der Euro-Zone und die besonderen japanischen Probleme die hiesige Wirtschaft beeinträchtigen“, so Stefan Krause.


Für die Berufsanfänger hat sich der Arbeitsmarkt erheblich günstiger entwickelt als für die älteren Generationen: Die 2.371 arbeitslosen jungen Männer und Frauen im Alter von unter 25 Jahren stellten in diesem Jahr noch 10,0 Prozent aller Arbeitslosen, vor zwei Jahren waren es 12,0 Prozent; dagegen bildeten 7.629 Arbeitslosen der Generation „50plus“ 32,1 Prozent aller Arbeitslosen, vor zwei Jahren waren es dagegen noch 26,5 Prozent. Der Wiederaufschwung nach der Krise bevorteilt also die jüngeren Jahrgänge mit aktuellen Qualifikationen.

Obwohl die Arbeitslosigkeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung stärker zurückgeht (-5,6 Prozent gegenüber April und -22,9 Prozent gegenüber Vorjahr auf 7.605) als in der Grundsicherung (-2,4 Prozent gegenüber April und -4,0 Prozent gegenüber Vorjahr auf 16.153) konnten in zunehmendem Maße auch Arbeitslose aus den Jobcentern in den 1. Arbeitsmarkt einmünden: Seit Jahresbeginn fanden 2.610 Kunden aus dem Arbeitslosengeld II – Bereich eine neue Beschäftigung in der regionalen Wirtschaft; 330 oder 14,5 Prozent mehr als in den ersten fünf Monaten des Vorjahres. Gleichzeitig erfolgten aber auch mehr Arbeitslosmeldungen in der Grundsicherung nach einer Beschäftigung im 1. Arbeitsmarkt (2.013 = 240 oder 13,5 Prozent mehr). Hier wirkt sich die gewöhnlich kürzere Beschäftigungsdauer in der Zeitarbeitsbranche aus, die zwischen drei und sechs Monaten liegt. Immerhin sind bisher mehr Kunden der - von der Agentur für Arbeit und den Kommunen gemeinsam betriebenen  Jobcenter in den Arbeitsmarkt eingemündet, als andererseits dort arbeitslos geworden.

Der Einstellungsbedarf der hiesigen Betriebe und Verwaltungen bezieht sich nicht nur auf Produktionsberufe. In zunehmendem Maße werden auch für den Logistikbereich Kräfte gebraucht, so sucht die Branche vor allem Helfer im Lagerbereich, Kommissionierer, Berufskraftfahrer, Gabelstapelfahrer und Speditionskaufleute. Bei den 2.753 freien Arbeitsstellen spielten ebenso die sozialen Berufe eine große Rolle, denn der Bedarf an Fachkräften in Alten- und Krankenpflege sowie Erzieherinnen ist umfangreicher als z. B. an Zerspanungsmechanikern Drehtechnik. Der Aufschwung bietet jetzt auch weniger qualifizierten Arbeitnehmern eine Chance, denn sowohl in der Kunststoffverarbeitung als auch in der Metall- und Elektroindustrie werden zunehmend Produktionshelfer eingestellt. Trotzdem sucht die bergische Wirtschaft in hohem Maße Fachkräfte, wie vor allem Elektroinstallateure, Zerspanungsmechaniker, Tischler und Anlagenmechaniker. Allein im Mai wuchs das gesamte Stellenangebot um 162 oder 6,3 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr sogar um 55,4 Prozent.

Die Zeitarbeitsbranche prägte auch das hiesige Stellenangebot: So wurden 1.308 freie Arbeitsstellen oder 47,5 Prozent über Unternehmen dieser Branche gemeldet. 692 Stellen bezogen sich auf Produktionsberufe, weitere 203 auf Tätigkeiten im Logistikbereich. Auch Arbeitsstellen in verschiedenen Dienstleistungsfunktionen werden über diese Branche angeboten, wie 42 Stellen im Altenpflegebereich oder 45 Stellen für Büro- und Sekretariatsarbeiten belegen. Gemessen an der Gesamtbeschäftigung spielt diese Branche aber nach wie vor eher eine nachrangige Rolle, denn sie stellt in der Region lediglich 2 Prozent aller Beschäftigten.

Der bergische Ausbildungsmarkt zeigte sich im Mai 2011 zumindest aus Sicht der Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz deutlich besser aufgestellt als noch in den Vorjahren: Bei sinkenden Bewerberzahlen und einem wachsenden Ausbildungsstellenangebot gestaltet sich der Ausgleich allerdings immer schwieriger, obwohl rein statistisch im Mai 1.182 unbesetzten Berufsausbildungsstellen (+19,2 Prozent gegenüber Vorjahr) noch 1.433 unversorgte Bewerber (-8,6 Prozent) gegenüberstanden. Neben den regionalen Unterschieden zwischen den beiden Landkreisen und der Stadt Leverkusen beeinträchtigen auch die Unterschiede der Berufsstrukturen zwischen Angebot und Nachfrage das Zustandekommen von Ausbildungsverhältnissen. Dabei ist die berufliche Struktur des Ausbildungsstellenangebots breiter aufgestellt als die bei den Bewerbern: Während 37,8 Prozent der freien Stellen sich auf die zehn meistgenannten Berufe konzentrieren, beschränken sich 45,8 Prozent der männlichen Bewerber auf zehn Berufe und sogar 63,6 Prozent der weiblichen Bewerber. Aufgrund der weiter zurückgehenden Bewerberzahlen haben schon verschiedene Ausbildungsverantwortliche in der Wirtschaft ihre bisherigen Standards bei den Auswahlverfahren überdacht. Die Erfahrungen bei den Azubi-Speed-Datings in den letzten Wochen zeigten, dass zahlreiche Bewerber/innen aufgrund ihrer Kurzpräsentation die Chance zu Vorstellungsgesprächen bekamen, die sie mit einer schriftlichen Bewerbung nicht erhalten hätten. „Wer sich auch in Zukunft seinen Fachkräftenachwuchs sichern will, muss neue Wege nutzen, um beim kleiner werdenden Potential an Bewerbern fündig zu werden. Frühzeitige Kontakte zu den Schulen helfen auch weniger bekannte Ausbildungsgänge populärer zu machen“, appelliert Stefan Krause an die hiesige Wirtschaft.

In Zeiten des konjunkturellen Aufschwungs erweist sich der überproportional hohe Beschäftigungsanteil des verarbeitenden Gewerbes im Oberbergischen Kreis als Standortvorteil: Im Mai ging die Arbeitslosigkeit deutlicher zurück als in den übrigen Regionen des Bezirks und auch das Stellenangebot wuchs erheblich dynamischer. Die weitgehend gut ausgelasteten Automobilzulieferer und große Teile der Kunststoffverarbeitung benötigen zusätzliches Personal um die vorliegenden Aufträge fristgerecht zu erledigen. Der prägende Dienstleistungssektor im Rheinisch-Bergischen Kreis reagiert auf die konjunkturellen Veränderungen später und führt nunmehr zu einem verstärkten Einstellungsbedarf in der Logistik und Verwaltungs- und Vertriebstätigkeiten. Der soziale Bereich sucht allein schon aus demografischen Gründen mehr Personal. Die jüngste Konjunkturumfrage der IHK signalisiert für den Rheinisch- Bergischen Kreis und Leverkusen ein Nachlassen der positiven Geschäftserwartungen; dies schlägt sich im Raum Leverkusen in einer aktuell stagnierenden Kräftenachfrage nieder.

Die Arbeitslosenquote für den Rheinisch-Bergischen Kreis lag im Mai bei 6,3 Prozent nach 6,4 Prozent im Vormonat und 6,9 Prozent im Vorjahr. Für die älteren Arbeitslosen blieb die Quote mit 7,5 Prozent auf dem Stand vom Mai 2010. Für die Berufsanfänger ergab sich dagegen ein sichtbarer Rückgang von 6,2 Prozent auf 5,5 Prozent. Im Vergleich der beiden Teilregionen des Kreises war die Entwicklung im Städtedreieck
des Nordkreises erheblich dynamischer als im Altkreis. Das konjunktursensible verarbeitende Gewerbe zwischen Leichlingen und Wermelskirchen wurde durch die vergangene Krise schneller und nachhaltiger erfasst und kommt jetzt auch schneller „in Fahrt“ als der Dienstleistungssektor. Das Stellenangebot im Kreisgebiet ist allein zwischen April und Mai um 111 oder 12,0 Prozent auf 1.035 gewachsen; eine wesentliche Ursache waren Stellen der Zeitarbeitsunternehmen für Metallberufe und Berufe in der Altenpflege und dem Gesundheitswesen. Gegenüber dem Mai 2010 gab es 283 oder 37,6 Prozent mehr Angebote. Zu den meistgesuchten Arbeitskräften gehörten Kommissionier, Helfer im Lagerbereich,
Drogerieverkäufer, Bürokaufleute, Altenpfleger und Erzieher. Der Ausbildungsmarkt im Rheinisch-Bergischen Kreis wies im Mai erneut einen Überhang an Ausbildungsstellen auf, denn mit 414 unbesetzten Berufsausbildungsstellen standen rein rechnerisch für jeden der 399 unversorgten Bewerber/innen 1,1 Stellen zur Verfügung. Im Vergleich zum Mai 2010 war die Zahl der unbesetzten Stellen um 5,6 Prozent gestiegen, dagegen sank die Zahl der unversorgten Bewerber um 11,9 Prozent.