Ein Jahr USA - North Carolina lässt grüßen!

Ein Erfahrungsbericht von Tom Knauf

 

VORGESCHICHTE:

316 Tage in den USA - eine Erfahrung von so enormem Umfang, dass man sie eigentlich gar nicht in Worte fassen kann. So viele Anekdoten, die es zu erzählen gibt; so viele Ausflüge, von denen zu berichten ist; so viele neue Bekanntschaften, die man alle gerne mit einfließen lassen würde. Dafür habe ich nun vier Seiten ...
...Es war im Januar 2005, als ich einen Anruf erhielt. Gerade erst war ich aus der Schule nach Hause gekommen, hatte meinen Rucksack noch auf dem Rücken, da wurde mir schon der Hörer gereicht. Als ich wenige Minuten später auflegte wusste ich, dass ich eine Lebenserfahrung vor mir hatte! Meiner Mutter, die gerade spülte, fiel fast die Schüssel aus der Hand als ich ihr sagte, dass ich es geschafft hatte und zehn Monate in den Staaten leben würde. Zehn Monate! Das musste man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Eigentlich war es ja noch viel zu früh zum Planen, aber trotzdem zerbrach ich mir von dem Tag an ständig den Kopf: Wohin würde es mich verschlagen? Wie würde meine Schule sein? Ein Jahr alles hinter sich lassen - das war ein lachendes und ein weinendes Auge. In erster Linie jedoch ein lachendes!
Zwei Wochen, nachdem ich erfahren hatte, dass ich das Stipendium bekommen hatte, war Weiberfastnacht und in Köln tanzte der Bär. "Jeck", wie ich bin, war auch ich im Gewühl. Da wurde mir ganz besonders klar, dass ich Städtepatriot wohl auch das ein oder andere Mal Heimweh haben würde ... doch wäre es nicht auch schlimm, wenn es nicht so wäre? Ab März wusste ich dann, dass ich ein Jahr bei Erik und Tonya McDonel in der Nähe von Asheville, North Carolina leben würde. Sofort entstand E-Mail Kontakt und es tat gut, sich mit den zukünftigen Gasteltern auszutauschen!
Mai 2005: Für eine Woche würde ich nun also nach Würzburg fahren, um dort täglich an Vorbereitungsseminaren teilzunehmen. Dort würde ich auch die anderen Stipendiaten treffen. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mir gar nicht so viel von diesem Seminar erhofft hatte - umso überraschter war ich, als sich diese Woche als totaler Spaß-Trip herausstellte! Wir alle verstanden uns auf Anhieb super und sprachen natürlich nur über unsere Erwartungen. Natürlich auch über unsere Ängste - Hey! Da waren plötzlich welche, die genau so dachten wie ich! Das half schon, wenn man bedenkt, dass da etwas gänzlich Neues auf uns alle zukam, denn als Gruppe fällt vieles für gewöhnlich einfacher. Und dass wir eine tolle Gruppe waren, merkten wir schnell! Auch die Seminare waren nicht im Entferntesten so trocken, wie ich es anfangs erwartet hatte. Es machte richtigen Spaß die verschiedenen Aktivitäten mitzumachen und erweckte Abenteuerlust t, den Ehemaligen zuzuhören. Nie werde ich Songüls Seminar über Toleranz und Vorurteile vergessen!
Die letzten Wochen vorm großen Abschied vergingen dann sehr wie im Flug: Schnell noch die Abschiedsfete mit 150 Mann im Sportheim gefeiert; schnell noch etwas warme Luft beim Christopher Street Day in Köln geschnappt bevor es in die konservativen Südstaaten ging; schnell noch eine Woche Holland mit acht Freunden; schnell noch die Koffer gepackt - und ab nach Frankfurt zum Flughafen!

AMERICA, HERE I COME!!!

Nach Monaten voller Aufregung und stundenlangen Flügen war ich froh, endlich am Ziel angekommen zu sein: Asheville, North Carolina. Ein schönes Städtchen mitten in den Smoky Mountains. Hier also würde ich zehn Monate verbringen. Bei meinen Gasteltern Erik und Tonya fühlte ich mich sofort wohl. Wir unterhielten uns sehr viel und hatten kaum Verständigungsprobleme. Direkt am zweiten Tag unternahmen wir einen Ausflug nach Ohio, um dort in den weltweit größten Freizeitpark mit der größten Achterbahn der Welt zu gehen. Dieser Park heißt Cedar Point und faszinierte mich total! Na, das war ja schon mal ein toller Start.
Ein paar Tage später fing die Schule an. Alles war so verwirrend und fremd und ich verstand so wenig! Was hat der Lehrer gesagt? - Wo muss ich als nächstes hin? Hilfe!!! Am Ende dieses Tages war ich echt geschafft. So viele neue Eindrücke! Aber eigentlich waren alle sehr nett und hilfsbereit gewesen. Und morgen würde ich mich ja wahrscheinlich auch etwas besser zurecht finden! So war es dann auch. Innerhalb weniger Tage hatte ich Anschluss gefunden und mir einen Eindruck von Erwin High School verschafft. Außerdem hatte ich mich sofort beim Cross Country Team angemeldet, wo ich nun täglich nach der Schule trainierte. Hier fand ich ebenfalls Freunde und war froh, regelmäßig Sport machen zu können. Langsam setzte das Alltagsgefühl ein ich war froh, dass alles gut begonnen hatte. Ich unternahm auch weiterhin viel mit meinen Gasteltern, die mir andauernd etwas Neues zeigen wollten. Auf die Art und Weise verbrachten wir viel zeit miteinander und lernte n uns immer besser kennen.
Schnell wurden mir natürlich auch kulturelle Unterschiede klar: Ich war das Köln des 21sten Jahrhunderts gewöhnt und befand mich nun irgendwo in den Smoky Mountains unter Menschen, die prähistorische Einstellungen zu vertreten schienen. Zuerst konnte ich viele Einstellungen und Meinungen gar nicht begreifen, genauso wenig wie meine Mitschüler meine Ansichten nicht nachvollziehen konnten. Aber wie man sieht, kommt es bei guten Freundschaften auf sowas gar nicht so genau an, denn ich habe mich auf Anhieb sehr gut mit allen verstanden und daran hat sich auch nichts geändert.

DIE STÄDTE

Während meines USA Aufenthaltes war es immer ein Höhepunkt, wenn ich eine neue Stadt kennenlernen konnte. So war ich über Thanksgiving mit meinen Gasteltern in Atlanta, was mir sehr gefallen hat. Wir blieben drei Tage und erkundeten "Coke City", wie die Stadt auch genannt wird. Es faszinierte mich die ganzen hohen Gebäude zu sehen und meine Digicam war permanent einsatzbereit. Obwohl Atlanta eine der kleineren Großstädte ist, fühlte ich mich richtig wohl und war froh, eine Abwechslung zu erleben. Und die tat richtig gut!
Als nächste Großstadt war San Francisco dran. Das war das freiwillige Seminar im Februar und ohne zu Zögern hatte ich mich angemeldet. Schließlich wollte ich schon als kleines Kind mal nach San Francisco! Als ich dann angekommen war, übertraf die Stadt noch alle meine Erwartungen. Ich war fasziniert von dem Klima, der Atmosphäre und den Gebäuden. Die Geschäfte und Restaurants begeisterten mich. Umwerfend waren natürlich auch die Sehenswürdigkeiten: Mal persönlich in einem Cable Car zu fahren, "The Cargo" zu sehen, einen Blick von einem Berg auf die ganze Stadt zu bekommen oder vor der Golden Gate Bridge zu posieren - da ist ein Traum wahrhaftig in Erfüllung gegangen!
Im Mai fand dann schon wieder eine Städtereise statt. Diesmal sogar eine zweifache - Philadelphia und New York City standen auf dem Programm. In Philadelphia hatten wir allerdings nur wenige Stunden Aufenthalt. Diese reichten allerdings aus um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sowie die Freiheitsglocke zu besichtigen. Ein echtes Philly Cheese Steak war natürlich auch drin! Und dann ging's auch schon weiter. Unser Hotel für die kommende Nacht lag ein wenig außerhalb von New York und als wir ankamen war es schon längst dunkel. Doch am nächsten Tag ging es dann sofort ab nach Manhattan - WOW! Was für eine Stadt! Ich fühlte mich wie eine Ameise zwischen Grashalmen, als ich durch Straßen ging und fühlte mich einfach großartig, im Big Apple zu sein. Nun alles live zu sehen, was man sonst fast täglich in irgendeiner Show im Fernsehen sieht, war natürlich atemberaubend. Da war Central Park, der Financial District, Greenwich Valley, die Wasserfront, die Brooklyn Bridge, die Freiheitsstatur, das bedrückende Loch des Grund Zero und natürlich - als absolute Krönung des Tages - Times Square. Da blinkte und leuchtete es wie in einer Disco, hupende Autos - vor allem Taxen - überall und dann natürlich Menschen, Menschen, Menschen ... Der absolute Wahnsinn! Ich hätte ewig in der niemals schlafenden Stadt bleiben können, doch leider blieb uns nur noch ein weiterer Tag übrig. An diesem besuchten wir CBS News, von wo aus täglich Nachrichten in die gesamten Vereinigten Staaten übertragen werden. Zum guten Schluss "bestiegen" wir dann noch das Empire State Building und genossen eine atemberaubende Aussicht auf New York City.

WRAPPING THINGS UP

Immer schneller ging es dann irgendwann dem Ende zu. Da war dann zum Beispiel der Abschlussball, wo ich zum ersten Mal seit meiner Kommunion einen Anzug trug. Es war ein wunderschöner Abend, den ich wohl immer in bester Erinnerung haben werde. Alle sahen toll aus und es war unglaublich rührend eine solche Veranstaltung mit all meinen neugewonnen Freunden erlebt zu haben. Nicht allzu lange Zeit später wurden dann auch die Abschlussexamen geschrieben. Und dann kam auch schon der letzte Schultag. Da wurde mir klar, dass ich nun wirklich ein komplettes Schuljahr in den USA verbracht hatte und das machte mich schon stolz. Nun lagen noch etwa zweieinhalb Wochen bis zu meiner Abreise vor mir.
In dieser Zeit traf ich mich oft mit Freunden. Meistens gingen wir irgendwo schwimmen oder machten ein Barbecue, da das Wetter einfach gigantisch war. An anderen Tagen gingen wir auch in die Mall, denn für vorerst das letzte Mal wollte ich nochmal bei Hollister und American Eagle shoppen gehen!
Und dann war es plötzlich so weit: Der Tag war da, an dem ich alle Stipendiaten zum Abschlussseminar in Washington D.C. wiedersehen würde und kurze Zeit später würde es dann zurück nach Hause gehen. Allerdings war dies natürlich auch der Tag um Abschied von meinen Gasteltern zu nehmen. Das ist mir sehr schwer gefallen, da wir uns super verstanden hatten und nun nicht wussten, wann wir uns das nächste Mal wiedersehen würden. Das war schon hart! Allerdings freute ich mich auch riesig auf Washington und auch auf zu Hause. Das Seminar war super. Es machte genauso viel Spaß mit den Leuten zusammen zu sein wie "damals" in Würzburg. Nur das wir uns die ganze zeit auf Englisch unterhielten! Ebenfalls trafen wir die amerikanischen Austauschschüler, die gerade aus Deutschland kamen. Anscheinend hatte es auch ihnen sehr gut gefallen.

WILLKOMMEN ZU HAUSE!

Nach etwa sieben Stunden Flugzeit landeten wir. Wir befanden uns wieder auf deutschem Boden! Ich hatte Deutschland sehr vermisst und empfand diesen Moment als wunderschön. Zehn Monate USA waren der absolute Wahnsinn gewesen - nun wieder zurück zu sein auch! Mit dem Zug fuhr ich nach Köln und war fast zu Tränen gerührt, als ich plötzlich den Dom sehen konnte. Meine ganze Familie und viele Freunde empfingen mich direkt auf der Domplatte mit großen Plakaten und einem kräftigen "Viva Colonia". Da an dem Tag das Spiel Deutschland gegen Schweden stattfand bekam ich direkt die volle WM-Euphorie mit. Bis in den frühen Morgen haben wir dann noch gefeiert und ich fühlte mich, als wäre ich nie weg gewesen!
Aber dem ist natürlich nicht so. Auch nun, da ich schon lange wieder zurück bin, denke ich täglich an meine Zeit in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ich habe viel gelernt, viel gesehen, viel erlebt... All die Erfahrungen, die ich gemacht habe, werden ständig bei mir sein. Ich bin unendlich dankbar, dass ich dieses große Erlebnis haben durfte und gäbe meine Erinnerungen an diese Zeit für nichts her. Ich habe viele verschiedene Perspektiven und Blickpunkte in den USA erhalten, an die ich vorher nie gedacht hatte und das gibt mir die Möglichkeit, nun besser an bestimmte Sachen heran zu gehen. Ich bin froh, auf diese Erfahrung zurückblicken zu können und bin mal gespannt was als nächstes kommt ... Wer weiß?