"Was sollen die ganzen Beschwerden?“

Wolfgang Bosbach im Gespräch mit Sören Göpel.

Sören Göpel: Herr Bosbach, Sie erhalten doch sicher sehr viele Anfragen für Gastauftritte. Warum verschlägt es Sie gerade nach Rehau?

Wolfgang Bosbach: Mit „viele Anfragen“ ist Ihnen die Untertreibung des Jahres gelungen. Allerdings ist das Jahr noch nicht sehr alt. Das ganze Büro Bosbach hat ganzjährig alle Hände voll zu tun, um die vielen Anfragen zu sortieren –im letzten Jahr waren es fast zehn! In diesem Jahr war ich schon in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln im Einsatz. Ich möchte aber nicht immer in der Provinz auftreten, deshalb freue ich mich auf die Metropole Rehau.

Welche Verbindungen bestehen nach Rehau?

Ich hoffe gute, damit ich wenigstens halbwegs pünktlich am Veranstaltungsort eintreffe.

Wie begründen Sie Ihren Parteikollegen, dass Sie zu einer CSU-Veranstaltung gehen?

Sie glauben ja gar nicht, wie neidisch die sind. CSU-Veranstaltungen sind Hochämter der politischen Kommunikation. So etwas gibt es nördlich des Weißwurstäquators, wenn überhaupt, allenfalls in Spurenelementen.

Finden Sie nicht auch, die CDU und die CSU unterscheiden sich nur durch das Wort „Obergrenze“?

Obergrenze hin, Obergrenze her. Wie bekannt, passt zwischen CDU und CSU noch nicht einmal ein Blatt Papier! Unklar ist allerdings, ob im Querformat oder Hochformat.

Wie eng ist Ihr Zeitfenster beim Neujahrsempfang?

Eine gute Rede zeichnet sich dadurch aus, dass die Zeit zwischen Anfang und Ende extrem kurz ist. Je nachdem, wie enthusiastisch das Publikum bei meinem Einmarsch klatscht, kann es auch sein, dass wir dann aus Zeitgründen nahtlos in den Abmarsch übergehen müssen.

Welche Termine haben Sie vor und nach Rehau?

Die Antwort wird Sie jetzt überraschen, denn auch der Freitag ist ein Plenartag des Deutschen Bundestages mit strenger Präsenzpflicht in Berlin – und genau von dort werde ich auch anreisen. Nach der Veranstaltung in Rehau geht es dann wieder in eine eher ländliche Region, nach Nürnberg.

Haben Sie sich vorgenommen, in Rehau mal etwas Neues zu erzählen?

Natürlich nicht! Ich bin 1972 Mitglied der CDU geworden und habe zur Vermeidung überflüssiger Anstrengungen sofort eine Standardrede, mit der ich seit nunmehr 45 Jahren mit großem Erfolg auf Tournee bin.

Sind Sie eigentlich wirklich so nett, wie Sie immer daherkommen?

Was heißt hier „so“ nett? Noch viel netter. Auch wegen meiner Bescheidenheit.

Bringen Sie Anne Will und / oder Günther Jauch auch mit?

Stand heute steht das noch nicht fest. Mehr als drei passen nicht auf die Rückbank meines Kleinwagens, und daher zoffen sich die beiden noch mit Sandra Maischberger, Maybrit Illner und Markus Lanz, wer mit nach Rehau kommen darf.

Kennen Sie Edgar Pöpel?

Was für eine Frage. Wer kennt Edgar Pöpel nicht?

Haben Sie Rehau-Fenster in Ihrem Haus?

Immerhin gehen Sie davon aus, dass unsere Wandöffnungen tatsächlich Fenster haben – und mit dieser Vermutung liegen Sie richtig! Vermutlich würde man mir die Ehrenbürgerwürde von Rehau antragen, wenn ich jetzt behaupten würde, dass die Fenster meines bescheidenen Eigenheimes aus Rehau sind – aber dafür müsste ich erst einmal den Voreigentümer fragen. Für einen Neubau hat es nämlich nicht gereicht.

Ihr bester Vorschlag für dieses Jahr?

Der beste Fußballverein Deutschlands, der 1. FC Köln, schlägt den FC Bayern München im Rückspiel 4:0, wird Deutscher Meister und anschließend CL-Sieger.

Ihre Prognose für die CDU im Herbst?

Man soll der Gnade des Herrn keine Grenzen setzen, aber 100 Prozent Zustimmung wird die CDU in den 15 Bundesländern, in denen sie kandidiert, vermutlich nicht bekommen – obwohl sie es verdient hätte. Bei der CSU ist es natürlich anders. Der Schwesterpartei traue ich es selbstverständlich zu, die 100-Prozent-Marke locker zu knacken.

Sie waren mal Supermarktleiter. Noch Ambitionen in diese Richtung?

Meine diesbezüglichen Ambitionen habe ich vor gut 40 Jahren beendet, aber die Liebe zum Handel ist geblieben. Auch wenn es kaum einer glauben dürfte: Ich gehe öfter Lebensmittel einkaufen als die beste Ehefrau von allen.

Wie schafft man es eigentlich, durchzukommen in einem Haushalt mit vier Frauen?

Wenn es denn nur vier wären. Insgesamt sind es fünf: Ehefrau, drei Töchter und Schwiegermutter. Auch unser Haustier ist kein Kater, sondern eine Katze. Es ist hart, aber wenn man sich als Mann geschickt anstellt, dann geht es. Man darf keine Ansprüche stellen, man muss mit dem zufrieden sein, was serviert wird und Interesse zeigen an TV-Formaten wie „Germany’s next Topmodel“ oder „Promi-Shopping-Queen“ und Tupperpartys toll finden. Dann hat in einem solchen Haushalt auch ein Mann eine gewisse Existenzberechtigung. Zumal man ihn zum Schneeschüppen (Schneeräumen, Anm. d. Red.) gut gebrauchen kann.

Wie passend. Für Sie als Rheinländer könnte Rehau ein kleiner Ski-Urlaub werden. Die Verwaltung lässt gerade den vielen Schnee aus der Stadt abtransportieren. Könnte das mit Ihrem Besuch zusammenhängen?

Was sollen immer die ganzen Beschwerden? Was man heute Schneechaos nennt, das nannten wir früher Winter. Da haben wir Schneeballschlachten geschlagen, Schneemänner gebaut und den Schlitten rausgeholt. Wenn der Bus einmal eine Viertelstunde zu spät kam, dann haben wir keine Bürgerinitiative gegründet, sondern einfach gewartet. Irgendwann kam er schon.
 

 

 

 

 

Das Interview erschien am 19. Januar 2017 in der Frankenpost.