"Anhaltend besorgniserregende Bedrohungslage"

Wolfgang Bosbach im Interview mit Andreas Herholz.

Festnahmen von Terroristen und weitere Ermittlungen im Raum Frankfurt: Hat die Polizei buchstäblich in letzter Minute einen Anschlag verhindert?

Wolfgang Bosbach: Es war richtig, dass der Zugriff zu diesem Zeitpunkt erfolgt ist. Angesichts der vorliegenden Erkenntnisse und des bevorstehenden großen Radrennens war nicht auszuschließen, dass Teilnehmer und Zuschauer Ziel eines Anschlags sein sollten. Deswegen musste diesen mutmaßlichen Terroristen rasch das Handwerk gelegt werden.

Waren die beiden Festgenommenen womöglich Teil einer größeren Terrorzelle?

Bosbach: Die Ermittlungsarbeit ist durch die Festnahme des Ehepaars noch nicht abgeschlossen. Sie beginnt erst jetzt. Es ist von überragender Bedeutung herauszufinden, ob die beiden mutmaßlichen Terroristen isoliert handelnde Einzeltäter waren oder zu einer terroristischen Gruppierung gehört haben. Hatten sie Helfer, Hintermänner und Anstifter? Wie kamen sie an die Waffe, an die Munition und an den Zünder? Woher hatten sie die finanziellen Mittel, um sich das alles beschaffen zu können? Diese Fragen müssen jetzt in den weiteren Ermittlungen geklärt werden .

Es gibt Hinweise auf eine Verbindung zu Al-Kaida. Steht Deutschland jetzt noch stärker im Visier dieser Terrorgruppe?

Bosbach: Deutschland befindet sich schon seit langer Zeit im Fadenkreuz des Terrorismus und wird seit einigen Jahren in Drohbotschaften ganz ausdrücklich als mögliches Ziel terroristischer Anschläge genannt. Wir haben eine anhaltend besorgniserregende Bedrohungslage.

War es bisher nur Glück, dass wir hierzulande keinen Anschlag erleben mussten?

Bosbach: Ja, wir hatten auch Glück. Seit 2000 sind in Deutschland insgesamt zehn Anschlagsversuche entweder gescheitert oder vereitelt worden – entweder durch Fahndungserfolge der Polizei, Beispiel „Sauerlandgruppe“, oder wegen Ungeschicks der Täter, Beispiel „Kofferbomben“. Leider hat ein Attentäter allerdings sein mörderisches Ziel erreicht. Im März 2011 hat er auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens zwei US-Soldaten ermordet. Die Täter müssen nur ein einziges Mal Erfolg haben, um ihr Ziel zu erreichen, die Sicherheitsbehörden Tag für Tag, um genau das zu verhindern.

Das Interview ist am 2.05.2015 in der NWZ erschienen.