"Druck hätte bei mir keinen Sinn"

Wolfgang Bosbach im Interview mit Andreas Herholz.

CSU-Vizechef Peter Gauweiler tritt zurück. Er begründet diesen Schritt mit dem Kurs der Bundesregierung bei der Euro-Rettung. Haben Sie Verständnis für die Entscheidung?

Wolfgang Bosbach: Seine Kritik, insbesondere an der Politik der Europäischen Zentralbank, teile ich uneingeschränkt. Dennoch kommt seine Entscheidung für mich überraschend. Nachlassenden Kampfesmut konnte ich nie feststellen und die EZB-Politik ist ja nicht neu. Auch angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Skeptiker wächst, auch und gerade in der Unionsfraktion, überrascht der Schritt von Peter Gauweiler.

 

Gauweiler erklärt, dass von ihm verlangt worden sei, im Bundestag gegen seine Überzeugungen in der Euro-Frage zu stimmen. Ist Ihnen das auch schon so ergangen? Wird auf die Bundestagsabgeordneten der Union in dieser Frage Druck ausgeübt?

Bosbach: Druck hätte bei mir sowieso keinen Sinn, das wissen alle. Er hätte allenfalls kontraproduktive Wirkung. Außerdem: Womit könnte man Peter Gauweiler oder mir drohen? Da fällt mir wirklich nix ein, was Erfolg haben könnte.

 

Sie selbst denken auch darüber nach, sich aus dem Bundestag zurückzuziehen. Ist für Kritiker des Euro-Krisenmanagements der Kanzlerin kein Platz mehr in der Fraktion?

Bosbach: Die Zahl der Kritiker des Euro-Rettungskurses ist seit der letzten Abstimmung nicht kleiner geworden, sondern größer. Selbst bei den überzeugten Befürwortern des Kurses wächst die Skepsis. Auch deshalb ist zumindest der Zeitpunkt des Rücktritts überraschend.

Das Interview ist am 1.04.2015 in der Passauer Neuen Presse erschienen.