Er gilt als ehrliche Haut

Wolfgang Bosbach im Interview mit Patricia Leßnerkraus.

Herr Bosbach, bröckelt Ihre Liebe zur Politik?
Erfreulicherweise nein. Die Arbeit als Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages und die Wahlkreisarbeit ist nach wie vor mehr Freude als Belastung. Es gibt nichts, was ich lieber machen würde.

Fühlen Sie sich in Ihrer Arbeit nicht mehr wertgeschätzt?
Jedenfalls an der Basis kann ich mich über mangelnde Sympathie und Unterstützung wirklich nicht beklagen. 58,5% Erststimmen waren bei der letzten Bundestagswahl ein großartiger Vertrauensbeweis. Im Regierungsviertel dürfte allerdings die Begeisterung über meine politische Arbeit nicht ganz so groß sein.

Belastet Ihr Nein zu Griechenland Ihr Verhältnis zur Kanzlerin?
Ich hoffe nicht. Wir hatten erst vor kurzem ein längeres Vier-Augen-Gespräch über den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“. Ich habe zwar bei einigen Themen eine andere Meinung als die Kanzlerin, doch an gegenseitiger Wertschätzung hat es nie gefehlt. Ich würde mich auch heute noch für sie in jede Schlacht werfen. Mit ihrem Fleiß, ihrer Kompetenz, ihrer Bodenständigkeit und ihrer unaufgeregten Art Politik zu machen, ist sie ein Glücksfall für Deutschland.

Sind Sie dünnhäutiger geworden?
Dünnhäutiger nicht, aber sicherlich sensibler. Natürlich braucht man in der Politik ein dickes Fell. Aber es sollte nie so dick sein, dass man zur Not auch ohne Rückgrat stehen kann. Nicht jede politische Entscheidung ist eine Gewissensfrage, aber ich werde auch in Zukunft nicht gegen meine Überzeugung abstimmen. Mit sachlicher Kritik kann ich sehr gut umgehen. Mit sehr persönlichen Angriffen oder unter die Gürtellinie auch nach über 40jähriger politischer Arbeit nicht.

Was würden Sie rückblickend in Ihrem politischen Leben anders machen?
Weniger arbeiten mit Sicherheit nicht, mit angezogener Handbremse kann man seine Aufgaben nicht erfüllen. Mit den gesammelten Erfahrungen würde ich mir heute allerdings nicht mehr so viel zu Herzen nehmen wie in der Vergangenheit.

Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Es ist ein stetiges Auf und Ab. An manchen Tagen bin ich fast beschwerdefrei. Dann wiederum gibt es Tage wie heute, da bin ich der Erschöpfung sehr nahe. Problem: oft weiß ich nicht, ob z.B. die chronische Müdigkeit eine Folge der Erkrankung oder eine Nebenwirkung der Medikamente ist.

Belastet politischer Ärger Ihre Gesundheit?
(lacht herzhaft) Politik ohne Ärger – wo gibt es das schon? Nein, eine Niederlage des 1. FC Köln bereitet mir mehr Probleme als irgendwelche politischen Attacken.

Sie gelten als stets fröhlicher Mensch. Kennen Sie auch Wehmut?
Eigentlich neige ich nicht dazu, aber Anfang des Jahres hatte ich tatsächlich einen echten Anfall von Schwermut. Während eines Urlaubs in Thailand habe ich mit der ganzen Familie und Freunden einen Tag auf einer Elefantenfarm verbracht. Jeder war für ein bestimmtes Tier verantwortlich. Wir durften sie füttern, pflegen, auf ihnen reiten und mit ihnen baden. Es war faszinierend, wie schnell wir gegenseitiges Vertrauen gefasst haben und wie behände diese großen Tiere elegant durch den Urlaub gegangen sind, um sich am Ende völlig ausgelassen ins kühlende Nass zu stürzen. Ein wunderschönes, emotionales Erlebnis. Nach knapp acht Stunden musste auch ich von dem Muttertier samt Baby Abschied nehmen – das war wirklich der emotionalste Moment der ganzen Reise. Das war Wehmut pur.

Wünschen Sie sich, dass eine Ihrer drei Töchter einmal Ihr politisches Erbe antritt?
Da ich weiß, mit wie viel Aufwand, Ärger und Verzicht diese Aufgabe verbunden ist, bin ich mir nicht sicher, ob ich das meinen Kindern tatsächlich wünschen soll. Aber wenn es ihr Wunsch ist, haben sie die ganze Unterstützung von Papa.

Ihre Töchter sind bildhübsch – macht Sie das stolz?
Welche Eltern sind nicht stolz auf ihre Kinder? Ich bin vor allem stolz darauf, dass sie von ihrem Wesen so sind, wie sie sind. Das ist allerdings hauptsächlich das Verdienst meiner Frau, dafür kann ich ihr nur sehr dankbar sein. Ich selber habe zur Erziehung meiner Töchter wenig beigetragen. Sie haben zwar die gleichen Eltern, aber sie sind ganz unterschiedlich, jede ist auf ihre Art liebenswert. Caroline, die Älteste, kommt wohl am ehesten auf den Papa. Sie ist ungeheuer fleißig, zielstrebig und trägt das Herz auf der Zunge. Natalie ist eher zurückhaltend, aber sie hat ein riesengroßes Herz. Unsere jüngste, Viktoria, ist wirklich ein Schatz. Ich kann mich nicht an eine einzige Situation erinnern, wo sie uns einmal wirklich Kummer gemacht hätte.

Kürzlich saßen Sie in der Jury zur ‚Miss Germany-Wahl? Welcher Frauentyp gefällt Ihnen besonders?
Herzlich, humorvoll, tolerant. Diese Eigenschaften gefallen mir. 35 Jahre lang habe ich eher für blonde Frauen geschwärmt – und dann doch eine brünette Frau geheiratet. Die Haarfarbe ist offensichtlich doch nicht entscheidend.

Was macht eine Frau in Ihren Augen schön?
Wenn ich jetzt behaupten würde, dass das Aussehen überhaupt keine Rolle spielt, dann würde mir das doch niemand glauben. Entscheidend ist aber die Persönlichkeit, die Ausstrahlung einer Frau. Für mich ist es auch wichtig, dass man mit ihr herzlich lachen kann.

Politik ist oftmals ein Ehekiller. Was macht Ihre Ehe so stabil?
Meine Frau würde jetzt bestimmt sagen, dass es an meiner häufigen Abwesenheit liegt. Wahrscheinlich hat sie Recht. Sabine meint, ich sei ein eher anstrengender Typ. Natürlich freut sie sich, wenn ich freitags von Berlin nach Hause komme. Sie ist aber auch offensichtlich erleichtert, wenn ich montags wieder in die Hauptstadt fliege.
 

Das Interview ist am 8.04.2015 in dem Magazin Frau im Spiegel erschienen.