"Griechen haben sich isoliert."

Wolfgang Bosbach im Interview mit Andreas Herholz.

Ist Griechenland nach dem Nein beim Referendum noch zu retten?

Bosbach: Innenpolitisch ist die Regierung Tsipras sicherlich gestärkt worden, außen- und europolitisch aber deutlich geschwächt. Griechenland hat sich in der Eurozone selbst isoliert. Diesen Crashkurs sollte man jetzt nicht noch mit einem neuen milliardenschweren sogenannten Rettungspaket honorieren.

War das ein Votum auch gegen Europa?

Bosbach: Im Grunde haben 60 Prozent der Bevölkerung gesagt: „Die angebotenen Hilfen nehmen wir gerne, aber die damit verbundenen Bedingungen akzeptieren wir nicht.“

Wäre der Grexit jetzt der beste Weg?

Bosbach: Eine preiswerte Lösung gibt es jetzt nicht mehr. Wir haben nur noch die Wahl zwischen teuer, Griechenland kehrt zu einer eigenen Währung zurück und erhält dabei humanitäre Hilfe, oder sehr teuer: Wir finanzieren das Land in der Eurozone auf Dauer.

Wie kann dem griechischen Volk jetzt aktuell geholfen werden?

Bosbach: Sollte Griechenland zu einer eigenen Währung zurückkehren, wird Europa dem Land humanitäre Hilfe leisten müssen. Wir können nicht tatenlos dabei zusehen, wenn ein ganzes Land verelendet.

Kann die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Nothilfekredite für Athen weiter verlängern?

Bosbach: Solange die EZB in Griechenland immer wieder für Euro Nachschub sorgt und die damit verbundenen Risiken vergemeinschaftet, wird die Regierung Tsipras den wahren Ernst der Lage nicht erkennen.

Das Interview ist am 7.07.2015 auf www.nwzonline.de erschienen.