"Ich war sogar schon Sitzungspräsident"

Wolfgang Bosbach - selbst begeisterter Karnevalist - wird "Ehrenfunk 2015" der KG Altstadtfunken Opladen vun 1902. Peter Korn führte ein Interview mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten, das am 24. Januar in der Rheinischen Post erschien.

Herr Bosbach, zählen Sie eigentlich auch zu den Menschen, die so viele Karnevalsorden besitzen, dass Ihre Waage "vollschlank" anzeigt, wenn Sie alle Trophäen umhängen?

(Bosbach lacht) Ich habe immer gesagt, dass aktive Karnevalisten nicht beerdigt werden, sondern eher verschrottet - bei all dem Metall, das man ihnen verliehen hat. Ich habe mich in den vergangenen Jahren notgedrungen zwar schon von dem einen oder anderen Stück trennen müssen - aber dennoch trifft der Spruch wohl auch auf mich zu.

Am 30. Januar um 19 Uhr werden Sie im Gartensaal des Bayer Kasinos zum "Ehrenfunk" der Karnevalsgesellschaft Altstadtfunken Opladen vun 1902 ernannt. Was bedeutet Ihnen das?

Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, die ja wohl nicht in erster Linie dem Politiker gilt, sondern dem Menschen Wolfgang Bosbach. Schließlich bin ich ja auch nicht in den Karneval gegangen, um davon politisch zu profitieren. Ich bin mit dem Karneval groß geworden - und diese Liebe hält bis heute an.

Sie haben einmal gesagt, zwei Menschen hätten Sie im Hinblick auf das rheinische Idiom sozialisiert - Ihr Vater und Ihr damaliger Kaplan.

Das stimmt. Während mein Vater mich schon in frühester Jugend zu Karnevalsveranstaltungen mitgenommen hat, war es für unseren Kaplan an St. Marien in Bergisch Gladbach Gronau ein Herzensanliegen, eine eigene Messdienersitzung in der Gemeinde zu organisieren. Dort bin auch ich aufgetreten und war später sogar Sitzungspräsident.

Es gibt in Berlin eine Art rheinisches Biotop, zu dem auch Ihr Parteikollege Jens Singer aus Leverkusen gehört. Der ist im bürgerlichen Beruf Regierungsdirektor, im Karneval jedoch "Dä Schofför der Kanzlerin". Kennen Sie seine Vorträge eigentlich?

(Bosbach lacht) Da kann ich Ihnen etwas Lustiges erzählen. Meine frühere Büro-Leiterin und Jens Singer hatten bis vor kurzem ihre Büros nebeneinander. Auf diese Weise war ich immer einer der ersten, der seine neuen Büttenreden kannte, denn er hat sie im Büro in seinen Arbeitspausen immer laut geprobt.

Mögen Sie seinen Humor denn?

Ja. Der ist richtig gut! Ich habe ihn einmal auf der Prinzen-Proklamation in Köln erlebt und muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich schon wundere, warum er nicht noch öfter in größerem Rahmen zu sehen ist.

Sie sind für Ihren Humor aber auch bekannt - gerade im Rheinland. Haben Sie Ihre Antrittsrede als Ehrenfunk eigentlich schon fertig?

Wo denken Sie hin. Ich weiß ja gar nicht, ob die Leute überhaupt wollen, dass ich eine Rede halte. Wenn es gewünscht wird, werde ich sicherlich ein paar Worte sagen - aber das mache ich dann spontan. Wenn Politiker im Karneval Reden halten, dann sollte die Regel Nummer eins sein: kurz!