"Modernste Scanner einsetzen"

Nach dem versuchten Anschlag auf einen US-Jet wird mehr Sicherheit gefordert. Als Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses spricht sich Wolfgang Bosbach (CDU) dafür aus, modernste Technologie an Flughäfen einzusetzen – weltweit.

Herr Bosbach, der verhinderte nigerianische Attentäter ist bei der Sicherheitskontrolle in Amsterdam nicht durch einen Scanner gegangen – weil jeder Passagier selbst entscheiden kann, ob er sich herkömmlich oder per Scanner überprüfen lässt. Wie ist diese Sicherheitslücke zu schließen?

Durch den Einsatz moderner Technologien. Herkömmliche Metalldetektoren sind zum Beispiel nicht in der Lage, am Körper getragene Sprengstoffe zu identifizieren. Darum ist der Einsatz modernster Scanner sinnvoll und notwendig - zumal mit neuester Technologie auf die zu Recht kritisierte Darstellung des Körpers vollständig verzichtet werden kann.

Schützt diese moderne Scanner-Technologie tatsächlich die Persönlichkeitsrechte der Passagiere oder bestehen in der täglichen Anwendung weiter Zweifel daran?

Die neuste Scanner-Generation benötigt keine eigene Strahlungsquelle, sondern bedient sich der Tera-Hertz-Technologie. Es werden keinerlei anatomischen Merkmale des Passagiers abgebildet. Hier werden allenfalls auf einem Piktogramm jene Stellen markiert, an denen bei dem Passagier verborgene Gegenstände entdeckt werden. Dieser Treffer ist dann Anlass für eine genaue Untersuchung der Person.

Die Einführung dieser unbedenklichen Scanner wird im Alleingang nicht funktionieren, sofern andere Länder andere Geräte und Technologien einführen - wie können Sie gewährleisten, dass die hohen deutschen
Standards möglichst weltweit gelten?

Die Technologie ist fast ausgereift, so dass sie vielleicht schon im nächsten Jahr im praktischen Betrieb getestet werden könnte. Aber die Einführung macht nur Sinn, wenn sich möglichst alle Flughäfen daran beteiligen. Wenn wir an den Flughäfen unterschiedliche Sicherheitsstandards haben, werden potenzielle Attentäter solche Airports nutzen, an denen Sicherheitsmaßnahmen am schwächsten sind.

Sehen Sie da Probleme, eine europa- oder weltweite Regelung zu erreichen?

Meiner Überzeugung nach müsste eine verbindliche Verabredung zur Einführung einer solchen Technologie nicht nur EU-weit, sondern weltweit erfolgen. Wir haben nicht nur einen nationalen oder europäischen, sondern einen globalen Flugverkehr. Und ein Sicherheitsproblem, das in Asien oder Afrika nicht gelöst ist, kann bei jedem Anflug von dort auch Deutschland unmittelbar betreffen.

Warum sind die Geräte nicht längst in Betrieb?

Die Technik funktioniert schon, aber sie muss sich noch in der Praxis bewähren. Sie muss sicher und schnell sein, denn wir wollen die Passagierkontrolle nicht unnötig verzögern. Das Bild muss sich erst aufbauen und sichtbar werden -und das darf nicht zu lange dauern. Denkbar ist auch, dass nur dann eine schematische Abbildung erscheint, wenn tatsächlich ein verborgener Gegenstand identifiziert wurde. Wer in seiner Achselhöhle etwas versteckt, was der normale Detektor nicht erkannt hat, wird dann durch den Scan erwischt.

Was wissen Sie über die Kriterien, nach denen Flüge als gefährdet eingestuft werden? Fallen alle Airlines der USA und Israels darunter?

Die unterliegen der Geheimhaltung, und das ist auch richtig so. Es gibt Flugrouten und Ziele, die als besonders gefährdet gelten. Ob und wann die so genannten Flugsicherheitsbegleiter eingesetzt werden, wird klugerweise nicht vorher angekündigt.

 

Das Interview führte Claudia Lepping

Quelle: Stuttgarter Nachrichten (30.12.2009)