"Termine absagen geht gar nicht"

Wolfgang Bosbach im Interview mit Matthias Niewels.

KStA: Herr Bosbach, wie geht es Ihnen?


Wolfgang Bosbach: Mir geht es gut. Oder sagen wir: Den Umständen entsprechend gut.


KStA: Sie sind am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in Hamburg zusammengebrochen. Was ist passiert?


Bosbach: Für mich war es ein völlig normaler, eigentlich sogar vergleichsweise ruhiger Tag. Zwischen der Landung in Hamburg und der Veranstaltung hatte ich noch eine Stunde Zeit. Ich habe mich in ein Café gesetzt, Kuchen gegessen, Zeitung gelesen. Alles total entspannt. Mitten in der Veranstaltung merkte ich plötzlich, dass mir schwindelig wurde. Dann war ich weg und bin einige Minuten später wieder aufgewacht. An die Zwischenzeit kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht war die Pause das Problem. Die hat meinen normalen Tagesrhythmus total durcheinander gebracht.


KStA: Weiß man was passiert ist?


Bosbach: Mittlerweile ja, leider war es ernst. Ich hatte Kammerflimmern und mein Defibrillator hat mir wohl das Leben gerettet. Mein Kardiologe hat mir die Aufnahmen des Gerätes gezeigt und dort konnte man genau sehen wann das Kammerflimmern einsetzte und der Defi geschockt hat. Gut zu wissen, dass das Teil funktioniert, wenn man es braucht. Dann kam der Notarzt und hat mich untersucht. Der meinte dann, es sei keine gute Idee sofort nach Hause zu fliegen, aber die Sehnsucht nach dem Bergischen Land war größer.

 

KStA: Sie sind aber trotzdem geflogen.

Bosbach: Ja, zumal meine Ärzte hier meine Erkrankungen kennen und alle Daten haben. Allerdings habe ich mich vom Flughafen abholen lassen und war heute Morgen gleich bei meinen Ärzten – die hatten schon mit meinem Besuch gerechnet.


KStA: Was genau ist die Ursache für den Schwächeanfall gewesen?


Bosbach: Tja, gute Frage. Die genaue Ursache konnte noch nicht ermittelt werden. Ich bin wirklich gründlich untersucht worden, alles ok. EKG, Blutdruck, Sauerstoffbildung im Blut, alles top. Jetzt warten wir noch auf den genauen Laborbefund und ein 24-Stunden-EKG.


KStA: Mit ihrer Krebserkrankung hat es nichts zu tun?

Bosbach: Nein, überhaupt nicht. Es geht hier nur um mein Herz. Die Herzschwäche habe ich ja schon seit 1994 und den Schrittmacher plus Defibrillator seit über 10 Jahren. Zwischenzeitlich dachte ich schon: Ach, den Defibrillator brauchst Du eigentlich doch nicht. Gut, dass ich ihn trage.


KStA: Haben Sie ihre Termine abgesagt?

Bosbach: Nein. Warum auch?


KStA: Na ja, weil Sie von der Diagnose Kammerflimmern geschockt sind.

Bosbach: Ich bin nicht geschockt, habe keine Angst. Mich quält allerdings die Unsicherheit, warum das passiert ist. Aber es würde mir gar nichts bringen, Zuhause zu sitzen, die Tabletten anzustarren und zu grübeln. Da mache ich doch lieber weiter mit meinem normalen Leben. Das ist interessant und bietet so viel Ablenkung. Ich bin heute Abend in Solingen bei einer Kirchengemeinde. Wer weiß, wofür das gut ist! Da bin ich bestimmt in guten Händen. (lacht)


KStA: Und kürzer treten?

Bosbach: Für 2016 bin ich schon jetzt ausgebucht und für 2017 nehme ich keine neuen Termine mehr an. Seit ich nicht mehr Vorsitzender des Innenausschusses bin (seit September 2015), bin ich bei meiner Termingestaltung wesentlich freier. Aber zugesagte Termine abzusagen, geht gar nicht. Da stehe ich ja im Wort.


KStA: Krebserkrankung, Kammerflimmern – Herr Bosbach, sie sehen nicht aus wie ein kranker Mann.


Bosbach: Was soll ich sagen? Wenn ich in den Spiegel schaue, denke ich ja selber: Mensch WoBo, du siehst richtig gesund aus. Nur Blöd, dass das nicht stimmt.

 

 

Das Interview ist beim Kölner Stadtanzeiger am 16. Juni 2016 erschienen.